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Brandschutz
in Nesselröden Das
Feuer, der Sage nach von Prometheus den Göttern gestohlen, war schon immer
Freund und Feind der Menschen. Es wärmte seine Hütten und Häuser, diente der
Zubereitung von Speisen und auch die Industrialisierung wäre ohne dieses
Element nicht denkbar gewesen. Aber das Feuer konnte auch den Menschen und seine
Werke binnen kurzer Zeit zerstören. War in früher Zeit ein Brand durch
Unachtsamkeit oder Kriegslust entstanden, fielen diesem oft ganze Dörfer und
sogar Städte zum Opfer. Ab
dem 17. Jahrhundert gingen die Obrigkeiten dazu über, die Einwohner von Städten
und Gemeinden zu Brandschutzmaßnahmen zu verpflichten. Es wurden sogenannte
„Feuergeschworene“ ernannt oder „Brandkassenpflicht-Verordnungen“
erlassen. Dieser
„Feuergeschworene“ – heute würde man Brandschutzprüfer sagen – hatte
die Aufgabe Brandschutzmaßnahmen zu überprüfen und er war auch für die
Instandhaltung und Vollständigkeit der Löschgeräte verantwortlich. In Nesselröden
wurde erstmalig 1886 in der Ortsverfassung von dem „Feuergeschworenen Franz Kücking“
berichtet. Nach seinem Tod wurde am 01.03.1908 der Zimmerermeister Johannes Bömecke
zum Feuer-geschworenen gewählt. Trotzdem
blieb auch Nesselröden nicht von größeren Bränden verschont. So wurde z.B.
die Obermühle im Jahre 1820 und zum zweiten Mal im Jahre 1928 fast völlig von
einem Brand zerstört. Ferner wurden u.a. verschiedene Bauernhöfe, wie z.B. der
von Heinz Hellmold (1911), Eduard Engelhardt (1921), Gerhard Hunold (1922) und
Wohnhäuser ein Opfer der Flammen. Von
der Seite des Gesetzes gab es im Brandfall lediglich sogenannte "Feuerlöschordnungen"
oder "Feuersnotordnungen". Hierin wurde bestimmt, wie sich im Falle
eines Brandes die Bürger zu verhalten hatten und wer zur Gestellung von
Pferden, Wagen usw. verpflichtet war. Im
Laufe der Zeit wurden jedoch Regelungen getroffen, die jeden Bürger
verpflichteten, sich bei Feueralarm an der Brandstelle einzufinden und dort
Hilfe zu leisten. Aus
diesen Regelungen entstanden jedoch lediglich lose Zusammenschlüsse der Bürger,
die nicht oder nur wenig organisiert waren. Erste Hinweise auf Feuerschutzmaßnahmen in unserem Heimatort finden sich in einer Akte aus dem Jahre 1737, wo von dem Kauf der 1. Feuerwehrspritze in Nesselröden gesprochen wird. Weiter existiert aus dem Jahre 1788 eine Auflistung der neu angeschafften „Feuer Geräthschaften 1788“ des Ortes Nehselröden.
Da Brände
oftmals nicht mit den örtlichen Kräften bekämpft werden konnten, gab es in
allen Orten sogenannte Feuerläufer. Aufgabe dieser Männer war es, bei
Feuersnot Hilfskräfte aus den Nachbargemeinden herbeizurufen und sofern in
einem anderen Ort ein Feuer ausgebrochen war, dort zur Hilfe zu eilen. Weiter
wurden diese Männer zur innerörtlichen Befehlsübermittlung eingesetzt. In
Nesselröden wird erstmalig 1817 im Gemeinderechnungsbuch von den Feuerläufern
berichtet. Ihnen wurde ihr jährliches Gehalt von 1 Reichstaler ausgezahlt. Eine
entscheidende Wende nahm das Feuerlöschwesen Mitte des 19. Jahrhunderts.
Hierbei war es vor allem die Anfang des 19. Jahrhunderts vom legendären
"Turnvater" Friedrich-Ludwig Jahn ins Leben gerufene Turnerbewegung,
die die organisatorische Grundlage schaffte, auf der bis heute das deutsche
Feuerlöschwesen aufbauen kann. Es
folgten in zahlreichen Städten und Gemeinden Gründungen von Freiwilligen
Feuerwehren, teilweise als Abteilungen bestehender örtlicher Turnvereine. Aber gerade im ländlichen Bereich entstanden die freiwilligen Feuerwehren häufig aus dem Zusammenschluss von Handwerkern und Landwirten. Unsere
Gruppe zur Zeit der Gründung: Gründung der
Freiwilligen Feuerwehr Nesselröden
So
geschehen auch in Nesselröden am 03. Juni 1929 in der Gastwirtschaft von
Friedrich Borchard. (heute: Zum alten Fritz, Nesselröder Straße) Übersetzung des Protokolls der Gründungsversammlung:
Von
nun an übte eine feste Mannschaft regelmäßig die Brandbekämpfung um e Um
neue Einsatzkleidung beschaffen zu können wurden regelmäßige Theaterabende
aufgeführt, die auch von der Bevölkerung gut angenommen wurden. Der
erste verzeichnete Brandeinsatz wurde am 09.01.1930 getätigt. Es musste ein
Brand bei dem Gebäude und Stallungen des Landwirts Heinrich Borchard Hs.Nr. 51
und angrenzenden Wirtschaftsgebäude des Bäckermeisters Leonhard Rittmeier
Hs.Nr. 52 (heute: Bäckerei Andag, Nesselröder Str.) gelöscht werden. Schnell
bemühte sich unsere Wehr Kontakte zu den umliegenden Ortsfeuerwehren aufzubauen
und so zählte unsere Wehr am 25.01.1931 zu den 8 Gründungsmitgliedern des
Kreisfeuerwehrverbandes Duderstadt. Am Kreisfeuerwehrverbandstag im Sommer 1932
in Mingerode nahmen 28 Kameraden teil. Die Anfahrt erfolgte mit dem Fahrrad! Im
Frühjahr 1931 beantragte man zudem die Mitgliedschaft im Hannoverschen
Provinzialfeuerwehrverband (Eintrag-Nr.: 1425). Auch
damals wurde schon Wert auf die Fortbildung der Kameraden gelegt. Das belegen
gemeinsame Übungen mit der Sanitätskolonne Duderstadt und die Teilnahme von 6
Kameraden an deren Ausbildung. Unser Wehrführer Bömeke nahm am 21.01.1933 am
Lehrgang Zugführer I an der Feuerwehrfachschule in Celle teil. Einen
Rückschlag erlitt die Freiwillige Feuerwehr 1938. Es trat am 23.12.1938 das
neue Feuerlöschgesetzt in Kraft. In diesem war geregelt, das die Feuerwehren
fortan der Polizei unterstellt waren und ihren bisherigen Charakter als Verein
verloren hatten. 1943 erhielten wir dann unsere 1. Motorspritze, welche uns aber samt Zubehör bereits am 09.04.1945 beim Einmarsch der amerikanischen Truppen wieder abgenommen wurde. Im Herbst 1945 erhielten wir dann zwar wieder eine Motorspritze die „irgendwo überzählig“ gewesen ist, jedoch beschränkte sich die Wehr in den folgenden Jahren auf die Instandhaltung der verbliebenen Geräte. Erst im Jahr 1948 wurde der regelmäßige Übungsbetrieb wieder aufgenommen, wobei es verschiedene Ausnahmen für die Nesselröder Feuerwehr gab. So gab es eine Verordnung, dass die Wehrmänner nicht zum Luftschutz aufgestellt werden können, da „im Einsatzfalle Dienst in der Wehr zu leisten ist“. Weiter wurde im Dezember 1958 darauf hingewiesen, dass „bei nachbarschaftlicher Löschhilfe über die Zonengrenze größte Vorsicht geboten sei. Entsprechende Genehmigungen und Zusicherungen sollten in solchen Fällen möglichst vorher schriftlich eingeholt werden.“ Als Ausrüstung stand den 4 Gruppen in der Feuerwehr zu dieser Zeit ein ausgerüsteter TSA (Tragkraftspritzenanhänger) mit TS 8/8 (Tragkraftspritze mit einer Fördermenge von 800 Liter/min bei 8 bar Ausgangsdruck) und ein Schlauchwagen mit 3 Schlauchhaspeln zur Verfügung. Wettbewerbsgruppe 1959: 1.Reihe v.l.: Bernward Nörthemann, Martin Stolze, Franz Schenke, Hubert Schenke 2.Reihe v.l. : Karl Rittmeier, Willi Bömecke, Josef Schenke, Albert Borchardt Im
Jahre 1964 stand dann der erste Wechsel bei unserem Ortsbrandmeister an. Der
bisherige Ortsbrandmeister Leopold Bömecke trat aus Altersgründen zurück und
es wurde der Kamerad August Schenke zum neuen Ortsbrandmeister gewählt. Bis zum Jahre 1966 wurden noch jährlich bei der Jahreshauptversammlung Fahrer für den TSA und für den Mannschaftswagen bestimmt. Erst im Jahr 1966 bekam Nesselröden mit einem TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) dann sein ersten eigenen Feuerwehrwagen. 1975 wurde dann bekannt gegeben, das Nesselröden in den nächsten Jahren zu einem Feuerwehr-Stützpunkt ausgebaut werden soll. Um die dafür erforderlichen Fahrzeuge, 1 LF-8 (Löschgruppenfahrzeug), 1 TLF-8 (Tanklöschfahrzeug) und einen Mannschaftswagen unterbringen zu können, war ein Neubau des Gerätehauses erforderlich, da das alte Gerätehaus im Hinterdorf für diese Ansprüche nicht mehr ausreichend war. Die
Ausführung wurde dann immer wieder aufgrund fehlender finanzieller Mittel
verschoben, so dass erst im Februar 1984 mit dem Bau des Gerätehauses begonnen
werden konnte. Am 19. April 1985 erfolgte dann im Rahmen eines Festaktes die
offizielle Einweihung des neuen Gerätehauses. Und am 11.11.1985 wurde der Wehr
dann ihr, für ein Stützpunkt notwendiges, TLF 8/18 (Tanklöschfahrzeug 1800
Liter Wasser) übergeben, welches bereits wenige Tage später bei einem Großbrand
in Etzenborn zum 1. Einsatz kam. Es fehlte nun zur Ausstattung eines Stützpunktes nur noch ein LF 8, da das TSF hierfür nicht ausreichend war. Im Oktober 1990 war es dann soweit. Der Wehr wurde das noch heute vorhandene LF 8 (Löschgruppenfahrzeug) übergeben, womit die erforderliche Ausstattung endlich vollständig war. Unter dem 1991 neu gewählten Ortsbrandmeister Frank Hellmold, der bisherige Ortsbrandmeister August Schenke trat aus Altersgründen zurück, wurde das LF 8 ab 1995 mit einer Gruppe unserer Wehr in die Kreisfeuerwehrbereitschaft Ost integriert, wo wir bis heute jährlich mindestens an einer großen Übung teilnehmen. Mit dieser Kreisfeuerwehrbereitschaft können wir im Notfall zu Großschadenslagen zu Hilfe gerufen werden, wie es bei dem Elbe-Hochwasser im Sommer 2002 bei mehreren anderen Bereitschaften der Fall war. Das Ausmaß einer solchen Übung haben die Nesselröder am 04.11.2000 selber erleben können, als im Ort im Hinterdorf eine solche Übung stattgefunden hat. Es wurde ein Busunfall und ein Brand des Kornhauses simuliert wo daraufhin das halbe Dorf durch Feuerwehrfahrzeuge nahezu blockiert war. Nach
der Anschaffung eines gebrauchten ÖSA (Öl-Schadensanhänger) wurde der Platz
im vorhandenen Gerätehaus eng und es wurde im November 1996 mit dem Anbau an
das Gerätehaus begonnen. Dieser Anbau wurde im September 1997 fertiggestellt
und dort ist jetzt ein Stellplatz für den ÖSA und den eines „Museum-TSA“
(Tragkraftspritzenanhänger) untergebracht. Auch
die Mitglieder der Jugendwehr erhielten eigene Garderobenplätze im Anbau.
Angesichts dessen, dass unsere Jugendwehr mittlerweile auch auf ein 39-jähriges
Bestehen zurückschauen kann, ist dieses längst überfällig gewesen. Seit dem
Jahre 1965 hat sich die Jugendwehr, wie die aktive Gruppe auch, hervorragend ins
Nesselröder Dorfleben eingearbeitet. Bei
der Gestaltung des Nesselröder Dorflebens ist besonders hervorzuheben, dass im
Mai des Jahres 1979 anlässlich des 50-jährigen Bestehen ein großes
Feuerwehrfest in Nesselröden veranstaltet wurde. Hierzu fanden auch Wettkämpfe
in Nesselröden statt. Auch 1989 zum 60-jährigen Bestehen wurde ein großes
Feuerwehrfest auf dem Schützenplatz organisiert. Aber auch außerhalb von solchen großen Jubiläumsfeiern bemühte sich die Wehr, die aktive Gruppe als auch die Jugendwehr, immer um eine rege Teilnahme am Dorfleben. Sie beteiligte sich aktiv bei vielen Festen und zum Teil richtete sie diese auch selbst aus, wie z.B. früher das Wintervergnügen und heute die Kirmes und Kulturwochen oder ähnliches. Ebenso führte sie auch alte Bräuche fort, wie z.B. das im Frühjahr 1980 wieder eingeführte Osterfeuer, welches bis heute ausgerichtet wird. Auch trat die Wehr 1981 der „Arbeitsgemeinschaft von Vereinen und Verbände“ bei. Unsere Gruppe heute: (Namensliste) |